Mitten durch die Wäder des bayerisch-böhmischen Waldes führte seit undenklichen Zeiten ein schmaler Handesweg über die diesseitigen und jenseitigen Berge. Man nannte ihn den "Goldenen Steig". Heute ist er nur noch hie und da zu erkenne, denn die Rösser und Säumer sind zum Handel über die Berge nicht mehr nötig. Bäume und undurchdringliches Dickicht wachsen wieder dort, wo einst Lastpferde mit Salz, Malz, Brantwein und Honig von bewaffneten Reitern und Trossknechten gegen Räuber geschützt, bald auf ebener Strecke, bald über Bücken und steilen Höhen die Waren hinüber und herüber führten. Peitschenknallen und Zuruf der Säumer sind längst verhallt. Selten weiss jemand der Alten noch, wo der Goldenen Steig gegangen ist. Er ist vergessen. Vergess? Nein, die Sage raunt eine seltsame Weise, die uns erzählt, wie der Goldene Seig zu seinem Namen gekommen ist. Hört zu!
Der Teufel sah, wie viele Kaufleute auf dem Steig aus Habgier ihre Pferde unbarmherzig zur Eile antrieben und sie dabei gottsjämmlerich schugen und schindeten, nur um desto eher ihre Waren zu Wucherpreisen verkaufen zu können. Sie konnten nicht schnell genuch reich werden. Da lachte der Roßfußgsell. Er wusste, wie er die feisten, gierigen Pfeffersäcke schnell in seinem Schwefelfeuer haben konnte. Eines Tages streute er flink im Fluge wie ein Sämann Korn auf den Handelsweg. Dieser verwandelte er über Nacht zu blinkendem Gold. Als der Tag kam, lachte er voller Zufriedenheit.
Er sah, was er erwartet hatte. Händler und Troßknechte ließen ihre Pferde stehen, bückten sich und sackten das Gold ein. Habsüchtig liefen und keuchten sie daher. Sie konnten nicht schnell genug sein. Sie schrien und sie rauften sich um die glänzenden Körper. Doch währen die einen gierig das Teufelsgold sammelten und die anderen sich darob die Köpfe blutig schlugen wanderte der Steig mit Ihnen, wie ein Band in die Tiefe und alle, die auf auf ihm waren, kamen mit ihm ins Verderben, denn unten stand der Entische und zog Weg, Wucherer, Geizige und Neidige in den ewigen Abgrund.
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Die Ritter von der Lohburg
Da hinten in Lohberg, schon mehr den Osser hinauf, ist einmals vor vielen, vielen Jahren auf einer Höhe eine Burg gestanden. Das Schloß hat einem Ritter gehört, und den hat man den Lohburger geheissen. Ein guter Mensch ist er gewesen, ein schönes Schloß hat er gehabt und einen Kiste voll Geld ist im Turm gelegen.
Wie nachher ein Krieg ausgebrochen ist, da ist der Lohburger fort und gekommen ist er nicht mehr. Vom Roß hat ihn ein Wilder hinuntergeschlagen , so hat man später gehört. von dem Unglück hat auch die Lohburgerin vernommen und da hat sie zu weinen angefangen und nimmer aufgehört, bis sie sich totgeweint hat.
Nachher ist dem Lohburger sein Bub Herr geworden auf dem Schloß. Der ist aber ein anderer gewesen wie sein Vater; grob mit den Leuten und sparen hat er auch nicht können. Da ist die Truhe voll Geld drunten im Turm bald bis auf den Boden leer geworden und kein Pfennig mehr im Hause gewesen. In seiner Not hat der junge Lohburger in einer Nacht den Teufel angerufen. Gleich ist er dagewesen und hat dem Ritter einen Schubkarren voll Goldstücke in die Schloßstube gestellt. Dafür hat sich der Lohburger mit seinem Blut unterschreiben müssen. Die Zwei sind bald handelseins geworden. Der Ritter hat sich auf dreissig Jahre unterschrieben und der Teufel den Schubkarren voll Geld hergegeben. Wie dann die dreissig Jahre um gewesen sind, hätte der Teufel die verschriebene Seele holen wollen. Er ist in der Nacht auf die Lohburg geflogen. Aber in keinem Eckerl und Winkerl ist der Ritter zu finden gewesen. Auf und davon ist er gewesen, längst bevor das neunundzwanzigste Jahr abgelaufen ist.Da ist den Teufel so eine Mordswut angekommen, dass er das ganze Schloß eingerissen hat. Es ist kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Lange noch hat man die Trümmer vom Schloß sehen können, dann sind die Steine mit der Zeit auch verkommen im Moos und Gras.
Aber ein Loch sieht man heute noch auf der Osserhöhe, wo das Schloß gstanden ist. Und in dem Loch sitzt allerweil noch der Teufel drin und wartet, bis der Lohbuger wiederkommt. Es hat schon mancheiner der da vorbeigegangen ist zwei glühende Augen daraus hervorblitzen sehen.
Autor: silvia, Bayerwald-Agentur, Landhaus-Weigert
Quelle: Der goldene Steig
Bilder: Der goldene Steig

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