Räuber Heigl
Räuber Heigl war vor seinen Untaten bei einem Bauern in Simmereinöd bei Hohenwarth als Knecht. Der Bauer verkaufte einmal ein paar Ochsen und Heigl wusste, dass dadurch Geld im Haus sein müsse. Sonntags, als alle zur Kiche gingen bis auf die Schwster des Bauern, die zu Hause kochen sollte, schickte er sich auch wie an allen anderen Sonntagen zum Gang in die Kirche an, die ungefähr eine Stunde entfernt war. Und nun begann seine Räuberlaufbahn. Der Räuber Heigl begab sich nicht in die Kirche, sondern in den nahen Wald, schwärzte dort sein Gesicht und kam ins Haus zurück. Dort verlangte er das Geld des Bauern. Die Schwester schlugs ihm ab, erkannte in ihm bei dem langen hin- und herreden ihren Knecht und wies ihn sodann aus der Stube. Darauf sprang er auf sie zu, steckte ihr einen Stein in den Mund, fesselte sie und warf sie in den Keller. Dann raubt er das Geld und verschwand. Als der Bauer nach Hause kam, fand er zu seinem Schrecken das Haus offen und nach langem Suchen die geknebelte Schwester. Nun folgte ein Verbrechen dem anderen. War Heigl früher ein sehr guter pflichtgetreuer Knecht, so wurde er nun ein Verbrecher, der vor keiner Untat zurückschreckte. Aber ganz verschwanden seine früheren guten Eigenschaften doch nicht. Einmal ging ein Mädchen durch den Wald zu ihren Eltern. Als sie so dahinschritt, ein Bündel in der Hand, begegnete ihr ein Mann, und sie erschrak. Er sprach sie an und wollte ihr das Bündel tragen helfen. "Mein Bündel kann ich leicht selbst tragen", sagte sie, "aber ich habe Angst vor dem Räuber Heigl!" Sie gingen nun zusammen weiter und er trug ihr das Bündel. Als sie aus dem Wald traten, gab er ihr die Sachen zurück, und sprach: "Sag´s daheim, der Räuber Heigl hat dir tragen geholfen."
Merkwürdig ist auch das sogenannte Kinderlegen von diesem Gesellen. Ein Hütermädel von Arrach macht er zu seiner Lebensgefährtin. Die aus dieser Verbindung hervorgegangenen Kinder legte er nachts auf das aufgeschichtete Holz von Häusern mit reichen Bewohnern nieder.
Wie Räuber Heigl gefangen wurde
Wenn man heute zum Kreuzfelsen oder zum Mittagstein hinaufsteigt, kommt man an der Heigl-Höhle vorbei, wo dieser Räuber vor weit über hundert Jahren gehaust hat.
Michel Heigl stammt von Beckendorf. Er war mit dem "Blauen Buben" im Bunde, der ihn vor den Häschern warnte. Das tat der Bub so: er warf sein Messer in die Tür des Bauern, in dessen Haus Heigl eingestiegen war. Es blieb federnd in dem Holz stecken. Kamen Landjäger gegen Heigl, so schwang das Messer schon stundenweit vorher hin und her. Aber einmal hatte der blaue Bub sich auf dem Hirschenstein ein Bein gebrochen. So war Heigl machtlos und wurde gefangen. Vierhundert Polizisten hatten ihn umringt und gejagt, bis er nicht mehr weiter konnte. Er wurde in das Arbeitshaus Au bei München gesteckt. Wegen seiner guten Führung ließ man ihn Aufseher werden. Er blieb es nicht lange. Im Jahr 1857 erschlug ihn ein Sträfling mit seinen eisernen Handschellen. Heigl ist tot, aber immer noch erzählt man von ihm wunderliche Dinge.
Autor: silvia, Bayerwald Agentur, Landhaus Weigert
Quelle: Der goldene Steig
Bild: Gemeinde Hohenwarth

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