Riesen bauen die Kirchen von Steinbühl und Hohenwarth
Als vor uralten Zeiten die Leute von Steinbühl ihre Häuser bauten und damit fertig waren, wollten sie auch eine Kirche haben. Da sage einer von ihnen: "Was brauchen wir uns zu schinden? In unserer Gegend wohnen ja Riesen, die wollen wir bitten, dass sie uns die Kirche bauen, sie sind stark und werden mit dem Bau eins, zwei, drei fertig werden."
Alle hielten den Rat für gut, und jener, der ihn gegeben hatte, macht sich auf, um den Riesen die Bitte vorzutragen. Die Riesen lachten und sagten: "Das sollt ihr haben." Schon am nächsten Tag fingen sie mit dem Bau der Kirche an.
Die Leute von Hohenwarth hatten von dieser sonderbaren Hilfe gehört, und ein Schlauer rief: "Was die Seinbühler haben, das können wir auch bekommen." Sprachs, nahm seinem Krückstock und schritt über Berge und durch Wälder zu den Riesen nach Steinbühl, wo er sah, wie sie die Felsblöcke mit den Händen aus dem Kaitersberg brachen und die Kirchenmauern errichteten. Die Steinbühler standen staunend und schwitzend herum. Der Hohenwarther Mann wagte sich zuerst gar nicht an die Riesen heheran. Er trank sich erst im Wirtshaus mit einigen Maß Bier Mut zu, dann stieß er mit seinem Krückstock den einen Riesen ans Bein. Dieser fragte: "Du Knirps, was willt du?" Der Bauer konnte zuerst vor Angst nicht reden. Er hustete und spuckte. Endlich spach er:" Ach, ihr lieben Riesen, möchtet ihr uns nicht auch in Hohenwarth ein Gotteshaus erbauen? Wir wollen es auch gut lohnen."
Der Riese antwortete: "Das sollt ihr haben. Zwei von uns werden allein hier fertig, die anderen zwei kommen zu euch."
So taten sie es auch schon. Einer schwang den Bauern wie ein Kind auf den Arm, dass er erschrak. Die zwei Riesen machten drei Schritte und schon waren sie über den Kaitersberg hinweg in Hohenwarth. Lachend sprang der Bauer zur Erde. Der Riese fragte: " Wo ist euer Kirchplatz?" Es war aber noch keiner da. Doch machten die Riesen kein langes Federlesen und rissen an einer Stelle in kurzer Zeit Bäume wie Grashalme heraus und fingen zu bauen an. Weil die Riesen zu wenig Werkzeug hatten, halfen sie sich gegenseitig aus. Sie riefen einander zu, warfen Hammer, Pickel und Schaufel spielend über den Kaitersberg hinüber und herüber. Da hatten die Hohenwarther und die Steibühler genug zu sehen, dass ihnen Maul und Augen offen blieben, wie die Riesen geschickt die Werkzeuge auffingen. Wie groß Hammer, Pickel und Schaufel sein mussten, könnt ihr euch denken. So wurden beide Kichen bald und zur gleichen Zeit fertig. Das ist schon lange her. Was die Riesen als Lohn erhalten haben, weiss niemand, vielleicht tausend Zahls Gott!
Nach einem Bericht von Max Geogeißl, Bärndorf
Autor: silvia, Bayerwald Agentur, Landhaus Weigert

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